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  • Angelika Bordt

Zehn-Punkte-Plan: IG "Leipziger Aufbruch 2020" fordert Verbesserungen der Corona-Konjunkturpakete



Die Corona-Krise führt unweigerlich zu einer Neusortierung des Marktes. Die Bundesregierung zeigt sich für die Folgen aus den beschlossenen Corona-Maßnahmen verantwortlich und ist deshalb bestrebt, ein Konjunkturpaket zu verabschieden, welches die auch in dieser Krise liegenden Chancen nutzt und unsere Wirtschaft und Gesellschaft stabiler und zukunftsfähiger macht. Hierfür erkennen wir die bereits vor Corona verabschiedeten strategischen Leitlinien der Bundesregierung als richtungweisend an. Die einzelnen Wirtschaftsregionen unterscheiden sich in ihren Strukturen und Rahmenbedingungen, um die übergeordneten Ziele insbesondere aus dem Digitalpakt und dem Klimaschutzprogramm in ein operatives Handeln zu überführen. Wir, „Leipziger Aufbruch 2020“, ein Kreis aus Leipziger Unternehmern (u.a. Quantensprung Consulting) und Unternehmerverbänden möchten Ihnen den Bedarf unserer Wirtschaftsregion zuarbeiten und haben Vorschläge ausgearbeitet, welche Impulse aus dem zu beschließenden Konjunkturpaket uns nutzen würden, um unsere Wirtschaft aus der Krise heraus in eine nachhaltige Zukunft zu führen. Die Idee zu dieser Stellungnahme wurde während eines Unternehmerstammtisches Leipziger Westen entwickelt, den Rahmen als digitale Hybridveranstaltung gab der Openspace von Wunderbar - Raum für interdisziplinäre Zukunftsforschung in Leipzig-Plagwitz.


Ausgangspunkt unserer Überlegungen war für uns die Frage, in welche Richtung sich deutsche Unternehmen grundsätzlich und branchenspezifisch entwickeln müssen, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein, gespiegelt mit der realen Situation, in welcher sie sich aktuell befinden – vom Mindset und gefühlten Perspektiven über den Digitalisierungsgrad, (Aus)Bildungsstand, ihrer Flexibilität / Innovationsgrad und dem Grad der Regionalität. Wir glauben nicht, dass eine gleichmäßige Verteilung von Hilfen unserer Wirtschaft den Schub verleiht, den sie jetzt braucht. Stattdessen setzen wir auf folgende Themen:

  • Für die Ausformulierung der Hilfen und Maßnahmen im Konjunkturpaket empfehlen wir ein klares Leitbild zu kreieren, welches Unternehmertum und welches KnowHow über die Krise hinaus gebraucht wird und entsprechende berufliche Entwicklungen ermöglichen werden können

  • Das Konjunkturpaket wird im Kern als eine „gute Sache“, mit vielen richtigen Ansätzen für die wirtschaftliche Erholung wahrgenommen

  • Hauptkritikpunkt ist, dass Solo-Selbstständige, Start-Ups und Unternehmen mit <15 MA nur bedingt oder gar nicht von den Hilfen profitieren, aber vor allem im Bereich von Kunst und Kultur, usw, massiv durch die Krise betroffen sind

  • Es fehlt den Maßnahmen an Zielgerichtetheit und einer ganzheitlichen Strategie, fehlendes Leitbild, mit dem die Politik das Paket kommunizieren könnte

  • Liquiditätssicherung und Zukunftsperspektive müssen verwoben werden, um einen nachhaltigen Schub für unsere Wirtschaft zu generieren!


Unsere Vorschläge zum Konjunkturpaket in 10 Punkten


1. Krisensicherung durch Digitalisierung

  • Reaktivierung der bestehenden und bewährten Förderprogramme des Bundes und des Landes für die Digitalisierungsunterstützung des Mittelstands (Go-digital des Bundes, Mittelstandsrichtlinie des SAB) gerade auch für die wirtschaftlich starken Regionen wie Leipzig

  • Gezielte Fördermöglichkeiten zur Digitalisierung von Unternehmen, Arbeitsplätzen und Geschäftsstrukturen

  • Ganzheitliche Förderprogramme nach bewährten Beispielen, welche nicht nur die Technik, sondern auch die benötigte Entwicklung des internen Mindsets (Weiterbildung / Umschulung) vorantreiben

2. Gezielte, zielgruppen-gerichtete Förderung neuer Geschäftsmodelle / Hilfe zur Selbsthilfe

  • Gezielte Projektförderung und Ausbau der Stipendien-Angebote im Kreativbereich mit der Zielsetzung, dass die einzelnen Berufssparten ihren Beruf gezielt ausüben, um den Spirit der Zeit einzufangen und zeitgemäße neue Formate für ihre Berufsausübung zu (er)finden

  • Branchen- und Bereichsspezifische Förderung zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle

  • Schaffung von Klarheit, wie trotz Einschränkungen wieder gearbeitet werden kann, durch sichere und nachvollziehbare Rahmenbedingungen (Beispiel Flugzeug mit Maske OK aber im Konzert nicht)

  • Förderung von innovativen Geschäftsmodellen z.B. in Kunst, Kultur und Gastronomie und Unterstützung der Monetarisierung

3. Entbürokratisierung ohne Missbrauch fördern - Maßvolle Sicherheitsmechanismen

  • Bürokratie ist für die Gruppe der Solo-Selbstständige und Unternehmen mit <15 MA ein gewaltiges Problem

  • Problem sind Steuerberaterzwang oder Wirtschaftsprüferzwang bei einigen Fördertöpfen

  • Das bafa-Beratungsprogramm erachten wir als richtig gedacht, eine Förderquote von 70-90% wie bei Unternehmen in Schwierigkeiten würde ausreichen, die direkte Auszahlung an den Berater würde generell Unternehmen in Schwierigkeiten entlasten

  • Für einen Schub aus der Krise muss die Antragstellung folgende Kriterien erfüllen:

  • einfach und auch für einen Solo-Selbständigen ohne fremde Hilfe umsetzbar

  • nachvollziehbar in der Förder-Zielsetzung und damit der Kriterien-Erfüllung

  • Kurzfristige finale Bearbeitung und schnelle Zahlungsflüsse

  • De-minis-Regel (Begrenzung der Höchstfördersummen aufheben)

4. Revitalisierung bestehender Förderinstrumente (Best Practice)

  • Weiterführung bewährter Förderinstrumente statt Schaffung neuer

  • Beispiele: SAB + Beratungsförderung + Liquiditätshilfe

  • Lernen aus den Erfahrungen der guten, aber auch schlechten Förderentscheidungen

  • Investitionsförderung (siehe aktuelles GRW Programm, SAB) auch an die Zielgruppe der Solounternehmen und Kleinstunternehmen (< 15 Mitarbeiter) anpassen und das minimale Fördervolumen von 70.000 € auf ab 3.000 € senken, Förder- und Aktivierungsquote auf mind. 80-90 % anpassen (Best practice ) EFRE-KMU-Förderprogramm Stadt Leipzig mit den Zielen:

  • Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen

  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsfähigkeit von Unternehmen und Soloselbständigen,

  • Verbesserung der Investitionstätigkeit,

  • Schaffung von Anreizen zur Ansiedlung bzw. Existenzgründung von Unternehmen,

  • Sicherung und Erweiterung der Unternehmensstandorte

5. Investitionsförderungen freier gestalten, Resilienz aktiv fördern

  • Nicht nur laufende Kosten, sondern auch Anlagevermögen in für Solo-Selbstständige und Unternehmen mit <15 MA fördern

  • Kleinteilige Förderinstrumente mit geringen Barrieren (digitale Beantragung)

6. Langfristigkeit fördern + Nachhaltigkeit sichern

  • Desolate Unternehmen frühzeitig erkennen und nicht weiter am „Leben erhalten!

  • Unternehmen haben einen hohen Beratungsbedarf und dürfen mit ihren Unsicherheiten nicht alleine gelassen werden. Der Großteil befindet sich nach wie vor in Schockstarre / Abwarte Haltung mit der Grundeinstellung „überleben bis alles überstanden ist, und dann weitermachen wie früher“ (s. Studie Quantensprung / UL). Dies führt zu reinem Absicherungshandeln und schwächt die dringend benötigte Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit. Beratung muss am Mindset ansetzen, Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen und Kreativität freisetzen. Im Anschluss braucht es dann Förderprogramme, die die erarbeiteten Maßnahmen zur Zukunftsfähigkeit (insbes. Digitalisierung und Klimaschutz) auch situationsgerecht realistisch umsetzbar machen.

7. (Politisches) Leitbild entwickeln und Vorbild sein, Verantwortung den „Change“ greifbar zu machen und um gute Beispiele für die Umsetzung zu bieten

  • Kommunen, Länder und Bund müssen Vorbildfunktion einnehmen u./o. durch entsprechende Darstellung guter Beispiele stärker über die Optionen des Wandels informieren

  • Köpfe der stagnierenden Unternehmen müssen zumindest in Teilen erreicht werden

  • Stärkere Sensibilisierung für die Thematik durch Medien etc.

8. Liquidität erhalten helfen

  • Die Probleme werden in IV. Quartal 2020 sichtbar. Darum steuerliche Anerkennung funktionierender und damit gewinnbringender Geschäftsmodelle in 2018/2019 durch Möglichkeit des Verlustrücktrags und der gemeinsamen Veranlagung

  • Solidarität und Gerechtigkeit – jenen Unternehmen, die Gewinne erwirtschaftet haben, bei entsprechend funktionierendem Business Cases, haben Steuern gezahlt; die Vorzugsvariante wäre sicher die Rückerstattung, Wichtiges Zeichen gerade und vor allem angesichts der enormen Verschuldung mit den Steuergeldern

  • Patenschaften zwischen Unternehmen interdisziplinär unterstützen z.B. „Business meets Culture“

9. „Made in Germany“ Rückbesinnung auf die Marke

  • Heute insbesondere im Kontext der regionalen Märkte / Lieferketten. Konkret: Nutzen der Möglichkeiten öffentlicher Ausschreibungen unter verpflichtender Einbindung heimischer / lokaler Akteure, welche in Stadt und Land ihre Steuern zahlen. Nach EU- Recht bis zu 50% möglich

10. Senkung der Förderebenen durch Verringerung der Granularität der Förderinstrumente

  • Kommunen, Städten oder Verbänden durch Ausschreibungen oder ähnliches eigene Gelder für die gezielte regionale Förderungen zur Verfügung stellen (Beispiel Fluthilfe)

  • Ausstatten der Kommunen mit Förderbudgets, um den regionalen Besonderheiten im Sinne der vorigen Punkte gerecht werden zu können

  • Wir sind davon überzeugt, dass ein solches Konjunkturpaket die dringend benötigten Perspektiven schafft, um unsere Region gestärkt aus der Krise zu führen. Gerne führen wir einzelne Punkte auch detaillierter aus und stehen für konstruktive Diskussionen zur Verfügung.

  • Weniger Große Aktionen und mehr regionale Einzelprojekte, welche auch regional verwaltet und verantwortet werden

  • Berücksichtigung der kleinteiligen Strukturen in Kommunen und Land

Zu den Unterzeichnern gehören:

Unternehmerstammtisch Leipziger Westen

Unternehmerverband Sachsen

Kreatives Leipzig

Quantensprung Consulting UG

Communisystems Care GmbH

Wunderbar - Raum für interdisziplinäre Zukunftsforschung

27 Ansichten

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